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Pressebericht (Wormser Wochenblatt) (21.05.2019)

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Frischen Wind in die Politik

Jürgen Neureuther will mehr Verantwortung für die Liberalen im Stadtrat

WORMS – Am 26. Mai sind die wahlberechtigten Wormser nicht nur zur Europawahl aufgerufen, sondern sollen im Rahmen der Kommunalwahl auch über die Besetzung des Wormser Stadtrates entscheiden. Die Redaktion des Wormser Wochenblattes hat den FDP-Spitzenkandidaten Dr. Jürgen Neureuther besucht.

Über den Rasen, unter den Büschen hindurch, an Vogelhäuschen und Insektenhotel vorbei, auch am Trampolin – der kleine Zwergspitz, der seit Ostern durch den Garten der Familie Neureuther flitzt, wirkt, als hätte er Sprungfedern in den Hinterbeinen. „Sehr lebhaft“, umschreibt Jürgen Neureuther das Geschenk an seine beiden Kinder. Ein bisschen ähnelt der Hundewelpe der FDP auf dem Weg zur jüngsten Bundestagswahl. Neu, vital und immer den Eindruck erweckend, auch die nächste Wand, den Kopf voran, im Sturm zu nehmen. Die Zeit in der Opposition hat seiner Partei gutgetan, daran besteht für den Kreisvorsitzenden kein Zweifel.

„Frischen Wind in die Kommunalpolitik bringen“, das ist sein Ziel. Die vielen Mitglieder der Jungen Liberalen auf der Stadtratsliste erfüllen den Familienvater mit Stolz. Schließlich ging das politische Engagement bei ihm genauso los. Es war die Zeit nach dem Nato-Doppelbeschluss, vor dem Mauerfall. Die Grenze zwischen West und Ost, national wie weltpolitisch, verlief mitten durch Deutschland – und bröckelte zusehends. „Ich habe eine Partei gesucht, die am ehesten in der Lage ist, die staatliche Einheit im Auge zu behalten und zu vollenden“, erzählt Neureuther, „und das war für mich die FDP.“ Die Partei Genschers, Scheels, Lambsdorffs. Bei den „JuLis“ ging es los, Mitte der 90er kam er bereits in den Kreisvorstand der Mutterpartei.

Liberale Stimme

Da war die Einheit vollendet, zumindest auf dem Papier. Doch Neureuthers Überzeugung blieb. „Es braucht eine klassisch liberale Stimme in Deutschland“, findet der Beamte, der sich als Vertreter des historischen Nationalliberalismus sieht. Stresemann, Freiheit und Verantwortung als zwei Seiten einer Medaille. Das unterscheidet die revitalisierte FDP dann doch vom Zwergspitz, der ausschließlich die fröhliche Freiheit des Lebens zu genießen scheint. „Nach dem Regierungseintritt 2009 hat man nicht mehr zu den Grundsätzen Freiheit und Verantwortung gestanden“, moniert Neureuther, „alles wurde dem Außenamt untergeordnet. Aber aus dem Fehler haben sie gelernt.“

Auf kommunaler Ebene habe er nie an einer guten Zukunft für seine Partei gezweifelt. Eine Ebene höher hätte er selbst es fast geschafft. 471 Stimmen fehlten 2006 zum Einzug in den Landtag, die Zahl kommt wie aus der Pistole geschossen. „Schade“, sagt er etwas lapidar. 2011 folgte dann das, was er die „Fukushima-Abwahl“ nennt. So blieb es bei der 1999 eingeschlagenen Laufbahn als Kommunalpolitiker im Stadtrat. „Die Ablösung der GroKo ist seit 20 Jahren das Ziel“, erzählt er, „aber das kann eigentlich nur der Wähler“ – indem er Rot und Schwarz die Mehrheit versagt. Wobei Neureuther sich eigentlich die Zeiten mit zwei starken Volksparteien und der FDP, nicht selten als „Zünglein an der Waage“ dazwischen, zurückwünscht. Vorfahren hatte er in CDU wie auch SPD.

„Das waren nicht die verkehrtesten Zeiten, damals wurde Deutschland aus der Mitte heraus regiert“, sagt er, „die Ideologie haben die Grünen in die Politik gebracht, sie haben den antitotalitären Konsens untergraben.“ Wenn nicht GroKo, dann Ampel oder Jamaika? „Nicht unbedingt.“ Wie solle man auch beim Themenfeld Infrastruktur und Individualverkehr in der Innenstadt zusammenkommen? Die Grünen würden einen „mittelstandsfeindlichen Kurs“ fahren, seine Partei sei am genauen Gegenteil interessiert. Das Klima in der Stadtpolitik empfindet er gleichwohl als „recht gut, auch wenn man um Sachfragen scharf streitet“. Und genau darum geht es ja in der Demokratie, auch im kommunalen Bereich.

Selbstbewusstsein für Worms

Da gehört auch ein Lob für den scheidenden Stadtchef Michael Kissel dazu. „In den letzten 15 Jahren hat Worms eine hervorragende Entwicklung genommen, was das kulturelle Angebot betrifft“, sagt Neureuther, „der OB hat in dem Bereich gute Arbeit gemacht, und er hat Worms ein bürgerliches Selbstbewusstsein als selbstständige Stadt gegeben.“ Klein genug, um übersichtlich zu sein, aber groß genug, um alles Wesentliche zu bieten, so sieht der Ur-Wormser seine Heimatstadt.

Wenn er einen politischen Wunsch für die Zeit nach der Wahl frei hätte? „Immer gutes Wetter bei den Nibelungen-Festspielen“, scherzt er. Und dann: „Die FDP übernimmt Verantwortung für die Stadt Worms.“ Auch wenn der Zwergspitz dann wohl häufiger ohne das Herrchen spielen müsste.

Quelle: Wormser Wochenblatt